Inhalt

Dank. 1

Team der Hauptamtlichen. 2

Kaum zu glauben – noch mehr Gespräche  3

Armut: aktuell 4

Statistik 2004. 7

Kurzer Kommentar zur Statistik TS im Internet 8

Langzeitkontakte in der E-Mail-Beratung. 9

Langzeitkontakte in der E-Mail-Beratung. 9

Herausforderungen und Chancen – Gefahren und Grenzen  9

Zwischen Brieffreundschaft und Psychotherapie  9

Hier in Kürze einige wichtige Aspekte, die wir in dieser Fortbildung erarbeitet haben. 9

Welche Vorteile bietet TelefonSeelsorge im Medium Internet in Langzeitkontakten?  9

Was ist alles möglich in einem Langzeitkontakt ?  10

Notruf für Frauen. 11

Wie unterschiedlich die Anfragen sind, möchten wir mit ein paar Beispielen zeigen. 12

Häufig ist auch die Sorge um Betroffene im Umfeld der Grund für einen Anruf. 12

Nachtdienst 13

Brief an Sophie. 15

Blick hinter die Kulissen. 17

Sommerfest 2004. 18

Lehrmeister Telefon. 19

Der Literaturkreis der TS.. 19

 

 

 

 

Dank

Kein Holz gesägt, keinen Schrank verrückt, trotzdem nach vier Stunden fix und fertig. Die Ehrenamtlichen der TelefonSeelsorge wissen, wie kräftezehrend ein Dienst sein kann.

Neurowissenschaftler hätten bestimmt ihre wahre Freude daran, das körperlich-seelisch-geistige Synapsen-Gewitter bei Dienst-habenden und Anrufern während eines „normalen“ TS-Gesprächs zu beobachten. So gesehen ist es dann auch wieder nicht überraschend, dass das, was nach außen gar nicht viel Aufhebens von sich macht, tatsächlich häufig ein  anstrengender innerer Kraftakt ist. In erster Linie ist also den ehren-amtlich Tätigen zu danken, die diese Arbeit geleistet haben.

 

Damit dieser Dienst überhaupt geleistet werden kann, müssen viele zusammenwirken. Besonders danken wir:

-         den Mitgliedern des Vorstands für ihr Engagement für diese Einrichtung,

-         den Gruppenleitern und –leiterinnen der Supervisionsgruppen für ihre Anleitungen und Anregungen,

-         dem Vorstand des Freundeskreises und seinen Mitgliedern für ihre Unterstützung, insbesondere für das Internet-Projekt der TelefonSeelsorge.

 

Wie für viele Einrichtungen ist es auch für TelefonSeelsorge nicht einfach selbstverständlich, dass sie fortgeführt werden kann. Das ist nur möglich mit der finanziellen Unterstützung von vielen Seiten.

 

Wir haben zu danken:

den Städten Ulm, Neu-Ulm, Schwäbisch Gmünd, den Landkreisen Alb-Donau, Neu-Ulm, Heidenheim und Ostalb.

 

Dem Land Baden Württemberg können wir zumindest noch für das Jahr 2004 für einen wichtigen Zuschuss danken.

 

Ganz wichtig für die Fortführung der Arbeit sind weitere Finanz-mittel.

Besonderer Dank gilt den RichterInnen des Amtsgerichtes Ulm und der Staatsanwaltschaft in Neu-Ulm für die Zuweisung von Bußgeldern.

Wichtige finanzielle Unterstützungen gewährten  uns  die Kässbohrer-Stiftung, die Aktion 100 000 sowie der Freundeskreis der TelefonSeelsorge.  

Herzlichen Dank.  

 

Ulm, Febr. 2005

 

Dr. Stefan Plöger     Renate Breitinger

 

 

 

Team der Hauptamtlichen

Dr. Stefan Plöger       (Leitung)

Renate Breitinger       (Leitung)

Gisela Mayer              (Sekretariat)

 

Telefonseelsorge Ulm, Neu-Ulm, Heidenheim, Aalen, Schwäbisch Gmünd

Postfach 4070

89030 Ulm

 

Bürozeiten: Mo – Fr : 8:15 – 12:00 Uhr

Tel.: 0731/69 88 3, Fax: 0731/9 60 86 40

E-mail: Telefonseelsorge.Ulm@evlka.de

Homepage: telefonseelsorge-ulm.de

 

Web-basierte Mailberatung der TelefonSeelsorge im Internet unter der Adresse: www.telefonseelsorge.de

 

Bankverbindung

Telefonseelsorge:      Konto   140 771  Sparkasse Ulm BLZ 630 500 00

Freundeskreis:           Konto 2 004 853 Sparkasse Ulm BLZ 630 500 00

 

 

 

 

 

Kaum zu glauben – noch mehr Gespräche

 

Damit hätte wohl kaum einer gerechnet: die Zahl der Gespräche ist im Jahr 2004 noch einmal um 5,6% auf 17660  gestiegen. Auch die Zahl der Anrufe hat leicht auf 33788 zugenommen. Insgesamt ist das eine gute Tendenz. Mehr Anrufe führen zu Gesprächen, also zu Anrufen mit bestimmten Themen und Anliegen.

 

 

 

2004

 

Summe

Prozent

Gesamtzahl der Anrufe

  33788

 

Aufleger

    5573

  16,49%

Scherzanrufe (Strichliste)

  10145

  30,03%

Aufschub (Strichliste)

      410

    1,21%

 

 

 

Gesamtzahl der Gespräche

 17660

  52,27%

Erstanrufer

   3265

  18,49%

Mehrfachanrufer

   3565

  20,19%

Daueranrufer

   3590

  20,33%

Notruf

     160

    0,91%

Unbekannt

   7240

  41,00%

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Damit steigt der Anteil der Gespräche an den Anrufen auf 52,27%. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 49,86%. Eine erfreuliche Entwicklung.

Eine weitere positive Entwicklung betrifft die sogenannten Scherz- und Testanrufe. Die Einschätzung dieser Art Anrufe und der Umgang damit ist alles andere als leicht. Auf der einen Seite handelt es sich manchmal nicht nur um einen harmlosen Schabernack (z.B. bei Beschimpfungen oder Inszenierungen einer lebensbedrohlichen Situation), auf der anderen Seite ist der „Scherz“ der Schutzmantel für ein Ausprobieren, ob der Einrichtung TelefonSeelsorge zu trauen ist, oder für eine versteckte Anfrage angesichts einer wirklichen Notlage des Jugendlichen. Scherzanrufe haben im Jahr 2004 um 5,99% auf 10145 Anrufe abgenommen. Allerdings ist das Thema damit nicht wirklich vom Tisch.

Bei der „Art des Anrufers“ (Erstanrufer, Mehrfachanrufer etc.) zeigen zwei Kategorien rasante Zuwächse:„Mehrfachanrufer“ und „unbekannt“. Damit hält eine Tendenz aus den Vorjahren an. Anrufer können angesichts der Fülle von Anrufen hier nicht mehr sicher zugeordnet werden. Entweder bleibt die Frage ganz offen (“unbekannt“) oder kann nur unspezifisch beantwortet werden: der Anrufer hat schon mal bei TelefonSeelsorge ange-rufen („Mehrfachanrufer“). (S.P.)

 

Themen der Gespräche (Angaben in Prozent)

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Armut: aktuell

 

Arm dran. Ja, so ist es eben. Arm dran. Immer noch besser als Arm ab. So oder ähnlich ist es eben. Es ist keine Zeitenwende des gesellschaftlichen sozialen Umgangs, kein Aufschrei, kein Aufstand. Der Staat muss sich nicht dazu bekennen, dass er einsparen will, wo er soziale Motive vorgibt. Keiner weiß bis jetzt so recht, was es bedeutet, wenn mit der Jahreswende 2004/ 2005 die Reform zu Arbeitslosengeld und Sozialhilfe Hartz IV in Kraft tritt.

 

Das gesellschaftliche Armutszeugnis bisher: innerhalb von 5 Jahren sind 1,3% mehr Familien und 4,4% Ausländer unter die Armutsgrenze gerutscht (Zahlen gelten für 2003, vgl. Spiegel, 51, 2004). Arm ist, wer ein Einkommen weniger als 60 % des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

 

Kinderarmut?

Sind Kinder besonders betroffen? 3,4% der Gesamtbevölkerung leben 2003 von Sozialhilfe. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die von Sozialhilfe leben, beträgt 7,2% (Vgl. Spiegel, 51, 2004).

 

Nach Angaben des Deutschen Kinderhilfswerks kommen durch die Hartz-IV-Reform zu den bisherigen etwa einer Million Kinder und Jugendlichen an der Armutsgrenze schätzungsweise weitere 1,5 Millionen Kinder hinzu, die dann in Haushalten leben, die weniger als die Hälfte des durchschnittlichen deutschen Haushaltseinkommens zur Verfügung haben. Die Bundesregierung dementiert heftig. Im Gegenteil: durch Hartz IV  gebe es eine Besserstellung der Familien.

 

Gespräche am Telefon

Sorgen um die finanzielle Situation sind Ende des Jahres 2003 mehr denn je Thema am Telefon. 

Eine Frau, etwas über 50 J., arbeitslos seit längerem, mit verschiedenen Erkrankungen und starken Schmerzzuständen ruft an. Sie ist so erschüttert, weil sie ihre Ersparnisse fürs Alter (sie hat Geld aus einem Hausverkauf in Aktien angelegt) in den kommenden Jahren wird „vervespern“ müssen. Solange sie dieses Geld hat, hat sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II.

 

Eine andere Frau ruft an. Im Gespräch kommt die Sprache darauf, dass sie sich Sorgen um ihre Bekannte macht, die für den Rest des Monats (10 Tage) nur noch 15.- € zur Verfügung hat. Sie selbst kauft als Sozialhilfe-Empfängerin im Tafelladen ein. Die Bekannte wäre auch berechtigt. Allerdings müsste die Anruferin der Freundin gegenüber zugeben, dass sie selbst im Tafelladen einkauft. Die Freundin schminkt sich stark, ist nach außen überhaupt nicht als „arm“ erkennbar. Die Anruferin weiß nicht, wie die Freundin reagiert, wenn sie ihr so etwas überhaupt vorschlägt.

 

Armut verkriecht sich. Armut ist ein Tabu-Thema. Niemand bekennt sich offen dazu, unfreiwillig arm zu sein. Die Bekann-ten, Vermieter und Nachbarn, selbst die Freunde sollen davon solange wie möglich nichts mitbekommen.

Armut führt in die Isolation. Man beginnt ein in Geheimnissen verstricktes Leben aufzubauen (vgl. Orwell, 1933, S.23). Es geschieht sehr viel, worüber man mit niemandem spricht, bevor es offensichtlich wird.

Auch verändert sich mit weniger Geld die Art der Sorgen. Je schlimmer die Situation, desto mehr denkt man nur noch daran, wie es am nächsten Tag weitergehen wird (a.a.O. S.28).

Würde und unfreiwillige Armut widersprechen sich. Der Versuch, die Würde vor sich selbst zu behalten, ist immer schwie-riger einzulösen. Als Bedürftiger ist man zwar auf die Menschen, die einem Gutes tun, angewiesen, man kann ihnen aber nicht dankbar sein. Sie vergegenwärtigen nur die Situation der Armut. 

 

Was kann TelefonSeelsorge?

Nicht weiter wissen, durchhalten, von der Substanz zehren, am Rand sein: das sind Lebenssituationen, die uns auf die eine oder andere Weise am Telefon begegnen.

 

Es ist  einerseits vermessen zu sagen: TelefonSeelsorge kann helfen. Sie kann es nicht oder selten, wenn es um die beruflichen und wirtschaftlichen Probleme des Anrufers geht. Und sie kann doch helfen. Sie kann ein kleiner Beitrag dazu sein, dass Menschen, denen in Würde begegnet wird, diese Würde bei sich wiederentdecken.

Dem Arbeitslosen, der sich nur noch als überflüssige, hin- und hergeschobene „Massenware“ erlebt, kann TelefonSeelsorge keinen Arbeitsplatz beschaffen. Aber ohne das ihm entgegen gebrachte Vertrauen in ihn und das wiederentdeckte Gefühl der eigenen Würde kann er nicht die Kraft aufbringen, sich einen Platz für sich zu erkämpfen.

Insofern ist der Beitrag, den TelefonSeelsorge leisten kann, nicht zu gering einzuschätzen.

 

                                         (S.P.)

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TelefonSeelsorge Ulm/Neu-Ulm im Internet

 
 

 

 

 


Statistik 2004 

 

 

                                                   2004

 

Summe

 

Kontakte

 

 

Kontakte gesamt

 

491

 

Erstkontakte

 

151

 

Folgekontakte

 

338

 

Gelesene Antworten

 

449

 

 

Geschlecht der Ratsuchenden

 

 

 

unbekannt

20 

männlich

41

weiblich

90

 

 

Alter der Ratsuchenden

 

 

 

Unbekannt

52

Bis 10 Jahre

---

Bis 20 Jahre

26

Bis 30 Jahre

47

Bis 40 Jahre

16

Bis 50 Jahre

 8

Bis 60 Jahre

 1

Bis 70 Jahre

 1

Bis 80 Jahre

---

 

 

Lebensform der Ratsuchenden

 

 

 

unbekannt

60

allein lebend

21

in Partnerschaft/Ehe

33

in einer Familie

29

allein erziehend

  2

in einer Gemeinschaft

  6

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Summe

Erwerbstätigkeit der Ratsuchenden

 

 

 

unbekannt

72

erwerbstätig

21

Hausfrau/Hausmann

  4

arbeitslos

14

Rentner

  1

selbständig

  1

in Ausbildung

38

 

 

 

Themen der Ratsuchenden      1. Priorität

 

 

 

Sinn, Glaube, Orientierung

   6  

Einsamkeit/Vereinsamung

   6  

Krankheit (physisch)

   5   

Depression, sonst. psychische Krankheit

  32

Selbstverletzendes Verhalten

   8

Essstörung

   5

Sucht

   4

Suizid

  14 

Sterben, Tod, Trauer

   4

Gewalt, Kriminalität, Missbrauch

   4

Umgang mit Sexualität

   4

Schwangerschaft

   4

Beziehung/Ehe/Partnerschaft

 23

Familie, Verwandtschaft

 10

Freunde, Nachbarn, Kollegen

 11

Arbeit, Schule, Ausbildung

   6 

Wohnen, Freizieit

  ----

Geld, wirtschaftl. Fragen, Schulden

   3

Weltanschauung, Gesellschaft, Politik, Kirche

  ----

Information allgemein

  1

Sonstiges

  1

 

 

 

 

Anliegen, Erwartungen der Ratsuchenden

 

 

 

Unbekannt

  6

Annahme und Bestätigung

13

Zusätzliche Unterstützung anderer Beratungsformen

  7

Hilfe

45

Information

11

Rückmeldung, Einschätzung, Meinung

52

Problem von der Seele schreiben

17

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kurzer Kommentar zur Statistik TS im Internet

 

Die 8 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge Ulm/Neu-Ulm haben im Jahr 2004 mehr Mail-Anfragen als im Jahr zuvor bearbeitet.

Dies hängt damit zusammen, dass die Anfragen an Telefon-Seelsorge im Internet bundesweit im zweiten Halbjahr insgesamt deutlich angestiegen sind. Zum Teil haben sie sich in manchen Monaten im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

 

Viele der Kontakte können mit ein bis zwei Antworten abgeschlossen werden. Vielfach gehen aber auch zwischen drei und sechs Antworten an die Ratsuchenden. In Einzelfällen kann  aber ein Kontakt auch über einen längeren Zeitraum bestehen, in dem zwischen 10 und 30 Antworten geschrieben werden.

 

Der Proporz der Geschlechter ist ähnlich dem der Anrufenden am Telefon. Fast 60 % der Rat-suchenden sind Frauen, 26 % sind Männer, der Rest ist unbekannt. Dies zeigt, dass das Medium Internet für Frauen so selbstverständlich wie für Männer geworden ist.

 

Nach wie vor kommen auffallend viele Anfragen von Menschen, die noch in Ausbildung sind.

In diesen Anfragen kommen deutlich Ängste zum Ausdruck, die mit der Zukunftsperspektive zusammenhängen. Zum einen die Angst, das Studium und anstehende Prüfungen nicht zu bewältigen, zum anderen auch Zweifel, ob die Wahl für dieses Studium überhaupt richtig war. Häufig sind diese jungen Menschen in unterschiedlichen Formen psychisch sehr belastet.

 

Was die Themen der Rat-suchenden betrifft, so tauchen Depression und sonstige psychischen Krankheiten am häufig-sten auf (20%). Eine Tatsache, die wir auch aus der Arbeit am Telefon kennen. Hier kommt etwas zum Ausdruck, was in unserer Gesellschaft noch wenig wahrgenommen wird. Es gibt viele Menschen, die psychisch sehr belastet bzw. krank sind, in ihrem Umfeld aber wenig Verständnis dafür finden, wenig Ansprechpartner haben und sich zusehends isolieren und keinen Weg mehr finden, aus dieser Situation wieder heraus zukommen.

Übers Internet jemanden zu haben, der zuhört und Anteil nimmt, ist für viele Ratsuchende offensichtlich sehr  wertvoll.                                         (R. B.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Langzeitkontakte in der E-Mail-Beratung

 

Die TS Ulm/Neu-Ulm arbeitet seit gut zweieinhalb Jahre bei TelefonSeelsorge im Internet mit.

In dieser Zeitspanne entwickelten sich auch einige Langzeitkontakte und mehr und mehr stellte sich die Frage, wie wir damit umgehen.

Langzeitkontakte in der Beratung bei TelefonSeelsorge im Internet sind nicht mit Daueranrufenden am Telefon vergleichbar. Allein die Rahmenbedingungen schaffen die Voraussetzung für einen qualitativen Unterschied.

Im Gegensatz zur Arbeit am Telefon bleibt der/die Rat-suchende mit einem/einer Berater/in im Kontakt und ist daher eine größere Herausforderung.

 

Ein Fortbildungsangebot im Jahr 2004 für die Mitarbeitenden befasste sich aus diesem Grund mit dem Thema:

 

Langzeitkontakte in der E-Mail-Beratung

Herausforderungen und Chancen – Gefahren und Grenzen

Zwischen Brieffreundschaft und Psychotherapie

 

Referent war Dr. Gerhard Mahler, Dipl. Psychologe in freier Praxis und Mitarbeiter im Beratungszentrum für Jugendliche in Ulm.

 

Hier in Kürze einige wichtige Aspekte, die wir in dieser Fortbildung erarbeitet haben.

 

Welche Vorteile bietet TelefonSeelsorge im Medium Internet in Langzeitkontakten?

*    Der Kontakt bleibt bei einem/einer Berater/in. Der/die Ratsuchende muss sich darauf einlassen. Dies ist unter Umständen mit einer größeren Anstrengung verbunden, aber in der Wirkung effektiver.

*    Nach einigen Mailwechseln ist ein Kontrakt denkbar und sinnvoll. Die Beratung kann zielgerichtet verlaufen.

*    Eine flexible Gestaltung der Frequenz der Beratungsaktivität ist möglich. Langzeitkontakte sind geprägt durch unterschiedliche Phasen. Es gibt krisenhafte Phasen und Phasen der relativen Ruhe. Ratsuchende/r und Berater/in können sich über die Notwendigkeit der Beratungsintensität verständigen. Daraus entsteht auch die Dynamik des Beratungsprozesses. Die Chancen der Mailarbeit liegen darin, sowohl ruhig und strukturiert oder manchmal  auch ganz spontan und „unsortiert“ antworten zu können.

*    Der Beratungskontakt kann dem/der Ratsuchenden helfen, die Zeit bis zu einer Therapie zu überbrücken.

Was ist alles möglich in einem Langzeitkontakt ?

*    Schritt für Schritt kann das Lebensumfeld des/der Ratsuchenden entdeckt werden um zu sehen, wie das soziale Netz ist und wie es genutzt werden kann.

*    Eine Prognose kann dem/der Berater/in helfen zu überlegen, wie seine Ressourcen und Erfahrungen sinnvoll genutzt werden können, zu überlegen, wohin können wir uns gemeinsam bewegen, idealerweise in Richtung Zielvereinbarungen.

 

Beispiel  eines Verlaufs eines Langzeitkontaktes

Ein Mann, nennen wir ihn C., Anfang 30, alleinlebend, wendet sich mit folgenden wenigen Worten an TelefonSeelsorge im Internet:

„Ich will einfach nicht mehr leben........“

Dies war vor 9 Monaten. Der Mann ist immer noch in Kontakt mit seiner Beraterin.

Seine für ihn scheinbar ausweglose Lebenssituation hat sich nicht wesentlich verändert, auch sein Lebensgefühl nicht.

Die erste Phase des Kontaktes dauerte gut drei Monate mit regelmäßigem Mailwechsel.

In dieser Phase kamen Mails, in der sich C. gut öffnen konnte, aber auch immer wieder Mails mit Suizidankündigung und Verabschiedung.

TS war in dieser Phase sicherlich eine wichtige Stütze, wenn auch in unterschiedlichen Rollen. Die Mitarbeiterin  der TS war entfernte Zuhörerin (C. konnte sich seine Gedanken und Probleme von der Seele schreiben), Testperson (wurde mehrfach mit Suizidankündigungen konfrontiert), Vertraute (ihr wurden im Schutz der Anonymität vieles anvertraut), Aufladegerät (der Austausch mit TS wirkte, zumindest kurzfristig, stärkend), Beziehungsersatz (die Mitarbeiterin der TS war streckenweise die einzige Person, mit der C. „reden“ konnte).

Nach dieser Phase gab es ohne Absprache und ersichtlichen Grund eine Pause von fast drei Monaten. Danach meldete sich C. wieder. Seine persönlichen Umstände und sein Erleben haben sich nicht verändert, er ist aber auch nicht erkennbar in einer krisenhaften Situation.

Er möchte die Mitarbeiterin als Ansprechpartnerin halten.

 

Grenzen und Chancen von TelefonSeelsorge im Internet in diesem Langzeitkontakt.

Eine entscheidende Voraussetzung für C., den Kontakt mit der TelefonSeelsorge aufzunehmen war sicherlich die niederschwellige Eingangstür.

Nur unter dem Vorzeichen von Anonymität und der Sicherheit, sich in diesem Moment nicht mit jemand auseinandersetzen zu müssen, ist es möglich, sich ausschließlich mit dem Satz „ ich will einfach nicht mehr leben.....“nach einem Hilfsangebot zu suchen.

C. hat in diesem Setting die Chance, sich nach seinen Möglichkeiten zu öffnen.

Der Kontakt mit der Mitarbeiterin der TelefonSeelsorge bedeutet für ihn ein Stück Verbindung nach außen, wenn auch nur virtuell, die er nach seinen Schilderungen, sonst kaum mehr hat.

Tatsächlich hat sich zwar in dem Zeitraum von 9 Monaten nichts für ihn verbessert, aber er hat seine mehrfachen Suizidankündigungen auch nicht wahr gemacht.

Die Grenzen in diesem Kontakt sind, dass TelefonSeelsorge nicht mehr als begleiten kann, da C. nach wie vor nicht in der Lage ist, kleine Schritte in Richtung einer Veränderung zu tun.

Es kann durchaus sein, dass C. eine sehr lange Zeit braucht, um wahrzunehmen, dass die Mit-arbeiterin bei TS nicht nur die Möglichkeit einer Begleitung bietet, sondern auch hilfreich sein kann, nach neuen Lebensmus-tern zu suchen.

                                      (R.B.)

 

 

 

 

 

 

 

     Notruf für Frauen

ein telefonischer Bereit-schaftsdienst für die Frauenhäuser in Ulm, Neu-Ulm und Alb-Donau-Kreis

 

Die TelefonSeelsorge Ulm/Neu-Ulm hat seit Jahren Kooperationsvereinbarungen mit den Trägern der Frauenhäuser der Region, Frauen helfen Frauen e.V. Ulm für das Frauenhaus Ulm, der Neu-Ulmer AWO für das Frauenhaus in Neu-Ulm und der Caritas Geschäftsstelle Ulm für das Frauenhaus des Alb-Donau-Kreises.

Die TelefonSeelsorge übernimmt außerhalb der Bürozeiten der entsprechenden Beratungsstellen den telefonischen Bereitschaftsdienst. Im Gespräch mit den anrufenden Frauen kann geklärt werden, wie die weitere Vorgehensweise bei der Aufnahme in das Frauenhaus aussehen würde und welche Schritte im Moment machbar sind.

Die Mitarbeitenden der Telefon-Seelsorge werden regelmäßig über Veränderungen informiert.

Wir danken an dieser Stelle den Fachfrauen der drei Beratungsstellen für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

 

Im Jahr 2004 gingen auf der Notrufleitung (0731-69884) 183 Anrufe bei der TelefonSeelsorge ein.

Wie unterschiedlich die Anfragen sind, möchten wir mit ein paar Beispielen zeigen.

......Frau wurde vom Ehemann geschlagen. Sie ist mit ihren Kindern bei einer Freundin unter-gekommen. Sie ruft wegen der Unterbringung in einer Pension an,  falls sie bei der Freundin  nicht bleiben kann.

......Frau ruft für die Freundin ihrer Tochter an. Diese wird von ihrem Partner mit einem Messer bedroht. Frage der Unterkunft wird geklärt.

......die Anruferin hat eine schwangere Bekannte im Auto und möchte sie ins Frauenhaus bringen, da der Freund sie bedroht.

 

Bei diesen Anrufen geht es in erster Linie darum, mit den Anruferinnen die nächsten wichtigen Schritte zu klären und sie mit den entsprechenden Informationen zu versorgen.

 

Häufig ist auch die Sorge um Betroffene im Umfeld der Grund für einen Anruf.

 

......die Anruferin bemerkte in ihrem beruflichen Umfeld, dass eine Frau wiederholt, sichtbar gezeichnet, von ihrem Ehemann geschlagen wurde. Sie möchte Infos über das Frauenhaus um der Frau zu helfen.

 

Auch die Polizei oder andere Einrichtungen wenden sich über die Notrufleitung immer wieder an die TelefonSeelsorge mit unterschiedlichen Anfragen.

 

......Polizei sucht eine Verbindung zum Frauenhaus. Sie muss eine Frau mit drei Kindern unterbringen.

......Polizei hat zwei Frauen mit Kindern, die verprügelt wurden.

......Polizei möchte ein junges Mädchen für eine Nacht unterbringen. Sexuelle Gewalt durch den Vater.

......ein Pfarrer hat einen Notfall in seiner Gemeinde.

......Anruf aus einem Krankenhaus. Sie suchen eine Unterbringung für eine Frau, die geschlagen wurde und inzwischen ambulant versorgt ist.

 

Es kommt aber auch vor, dass Menschen mit Anliegen anrufen, die eigentlich nicht in das Profil des Angebotes passen, die sich aber eine Hilfestellung erhoffen.

 

......Junge Frau wird von zuhause rausgeworfen weil sie einen türkischen Freund hat. Sie möchte ins Frauenhaus, bis sie eine Arbeit hat.

......Anruferin sucht für ihre schwangere Tochter wegen einer Räumungsklage eine Unterkunft für einige Tage

......Mann sucht seine Frau und die Kinder, die er im Frauenhaus vermutet.

......verlassener Ehemann schimpft auf seine und alle Frauen.

 

So unterschiedlich die Beispiele auch sind, so geht es zunächst einmal darum, die Anrufenden umfassend zu informieren, welche Möglichkeiten sich für den Augenblick bieten, bis sie die zuständige Beratungsstelle aufsuchen können.

Oft ist es so, dass sich im Gespräch einiges sortieren lässt und die Anrufenden selbst eine Möglichkeit sehen, vorübergehend zurecht zu kommen.

Beides zusammen – Information und Gespräch -  sind uns wichtig im Angebot des telefonischen Bereitschaftsdienstes für die Frauenhäuser und ihre Beratungsstellen.

                                      (R.B.)

 

 

 

 

Nachtdienst

 

Nachtdienst in der TelefonSeelsorge: ein besonderer Dienst. Die neuen Ehrenamtlichen, die erst kürzlich für den Dienst beauftragt wurden, lassen sich lieber noch ein bisschen Zeit, bis sie sich daran wagen.

Und wie sieht das dann am Telefon aus? „Ich kann nicht schlafen“, „Wir kommen gerade von einer Party zurück“, „Ich wollte nur mal hören, ob sie wirklich da sind“, „Ich weiß nicht, was ich tun soll“, ...

Ein merkwürdiges Gemisch. Einige Anrufe lassen ratlos zurück. Was wollte der Anrufer wirklich?

Gibt es so etwas wie ein Nachtgesicht, eine Nachtseite, die hier spürbar wird?

Vielleicht gelingt es erst in der Nacht, wenn die hektische Betriebsamkeit des Tages nach-gelassen hat, den Mensch für sich unter der sichtbaren Unendlichkeit des Himmels zu sehen.

Es sind die Nachtstunden, wenn Dom Helder Camara Eindrücke aus seinen „Mitternächtlichen Meditationen“ niederschreibt.

 

Es ist schon Nacht als Faust nach dem Osterspaziergang in sein Studierzimmer zurückkehrt. Es ist noch nicht lange her, dass ihn Verzweiflung übermannt hat und er kurz vor einem Suizidversuch stand.

 

 

Verlassen habe ich Feld und Auen,

Die eine tiefe Nacht bedeckt,

Mit ahnungsvollem, heil`gem Grauen

In uns die beßre Seele weckt.

Entschlafen sind nun wilde Triebe

Mit jedem ungestümen Tun;

Es reget sich die Menschenliebe,

Die Liebe Gottes regt sich nun.

                  (J. W. v. Goethe: Faust I)

 

 

Es reget sich die Menschenliebe, die Liebe Gottes regt sich nun. Das ahnungsvolle Erkennen des Schicksalhaften des Menschen muss nicht diese milde Stimmung haben. Es kann auch ganz schön belastend sein. Die Marschallin in Hugo von Hofmannsthals Rosenkavalier-Dichtung geistert des Nachts in ihrem Zimmer umher, fürchtet sich vor dem Älterwerden und weiß sich nicht besser zu helfen, als die Uhren abzustellen, die ihr das Verrinnen der Zeit anzeigen.

Der russische Gesandte am Chursächsischen Hof von Keyserlingk regt zu einem der genialen Werke der Bachschen Klavierliteratur an: weil der Graf nachts schlaflos umherwandelt, bestellt er bei Bach „einige Clavierstücke für seinen Goldberg (seinen Hofpianisten)... die so sanften und etwas munteren Charakters wären, daß er dadurch in seinen schlaflosen Nächten ein wenig aufgeheitert werden könnte“. Bach komponiert die Goldberg-Variationen.

 

Ist doch etwas Besonderes an den nächtlichen Stunden? Sind sie näher dran an Gefühlen, an Sorgen, Ängsten, aber auch an Erkennen, Durchdringen?

 

Und was kann TelefonSeelsorge dann?

Ariel weist seine Geister an, den ermüdeten, unruhigen, schlaf-suchenden Faust zu  umschweben:

 

Die ihr dies Haupt umschwebt im luft´gen Kreise,

Erzeigt euch hier nach edler Elfen Weise,

Besänftigt des Herzens grimmen Strauß,

Entfernt des Vorwurfs glühend bittre Pfeile,

Sein Inneres reinigt von erlebtem Graus.

         (J. W. v. Goethe. Faust II)

 

Die Nacht braucht anscheinend besonders den Trost der an-deren, die Vergebung gegenüber sich selbst. Was tags unterdrückt werden kann, bahnt sich nachts seinen Weg. Das Unerlöste, das Halbgelungene, das Verlorene, das verloren Geglaubte, es braucht seinen Platz und der ist vielfach nachts.

                                      (S.P.)

 

 

 

 

Brief an Sophie

 

 

Liebe Sophie,

 

mehr als drei lange Stunden, mitten in der Nacht und bis in den Morgen hinein, haben wir gemeinsam verbracht. Vieles von Dir hast Du mir anvertraut: Dein Vater ist als Arzt oft im Ausland unterwegs. Ihn wolltet ihr vom Flughafen abholen. Auf dem Weg dorthin muss Deine Mutter einem betrunkenen Autofahrer ausweichen, ihr verunglückt. Du liegst lange im Koma. Danach beginnt für Dich ein Leben im Rollstuhl, einer Deiner Arme bleibt gelähmt. Und man sagt Dir, dass Dein Bruder und Deine Mutter den Unfall nicht überlebt haben.

Du erinnerst Dich zurück: wie wart ihr fröhlich, habt gelacht, ausgelassen, noch auf der Fahrt im Auto. Deine Stimme wird lebendig und ich höre fast euer Lachen: die Freude, die ihr aneinander habt und die Freude, den Vater wieder zu sehen. Dein Bruder und Du, Zwillinge wie aus dem Bilderbuch. Du erzählst mir, wie unzertrennlich ihr wart. Wie gerne ihr gemeinsam im Garten gespielt habt, wie Du ihm gefolgt bist, wenn er am Bach entlang zum Wald gesprungen ist. Ich meine fast, euch hinterher schauen zu können.

Und heute besitzt Du ein Brett mit hervorstehenden Nägeln, damit Du Dir mit einer Hand ein Butterbrot streichen kannst.

Du bist alleine zuhause. Mit Deiner klaren, sympathischen Stimme erzählst Du mir von Deinem Vater, der gerade Nachtdienst in einem Krankenhaus hat. Die Sehnsucht besonders nach Deinem Zwillingsbruder erlebst Du schmerzhaft in Dir. Ich spüre, wie sehr Du ihn vermisst, wie viel Du an ihn und immer nur an ihn denkst, wie stark es Dich zu ihm hinzieht – Du willst nichts anderes als bei ihm sein, und sei dies dort, wo er jetzt ist. Du liegst hunderte Kilometer von mir entfernt auf Deinem Bett, weinst mal leise, mal bitterlich, und ich sitze am anderen Ende der Leitung, spüre wie ich ein wenig zittere, wo ich Dir viel lieber einen warmen Händedruck anbieten will.

Doch es ist so: Dir ist es heute Abend gelungen, aus dem Arztkoffer Deines Vater Tabletten zu entnehmen und zu schlucken. Ich spüre wie es Dich erleichtert, das getan zu haben. Du hast Hoffnung, bald Deinen Bruder wieder zu sehen. Jetzt, in den letzten Stunden, willst Du nicht alleine sein.

Plötzlich ein schriller Ton: euer Telefon klingelt. Das vereinbarte Telefonat zwischen den OP-Terminen Deines Vaters. Ich bekomme mit, wie Du mit ihm sprichst, wie es Dir nicht gelingt, Dich zu verstellen. Er merkt, was los ist. Er will sofort aufbrechen, um zu Dir zu kommen. Eine knappe Stunde wird das dauern. In dieser Zeit wird Deine Stimme immer schwächer. Es gibt Minuten, in denen Du weit weg wirkst, und ich befürchte manchmal, dass Dich meine Worte nicht mehr erreichen. Dein Vater ruft immer mal wieder an. Als er schließlich im Stau steht, lässt er sich von Dir nicht mehr umstimmen und schickt einen Krankenwagen. Du erzählst mir noch, in einem kurzen wachen Moment, dass Du das Blaulicht jetzt sehen kannst, dass sie aber nicht rein kommen können. Nach einiger Zeit der Stille, in der ich Dich nicht mehr ansprechen kann, bricht die Verbindung zusammen. Langsam lege ich den Hörer auf die Gabel, zitternd aber innerlich ganz ruhig mit Gefühl, Dir sehr nahe gewesen zu sein.

 

Einige Tage später habe ich erfahren, dass in den TS-Stellen Deiner Heimatregion immer wieder lange Nachttelefonate vorkommen, in denen Du jedesmal ganz ähnliches erzählst – mit so vielen Details, dass die Versuche, Deine Geschichte zu verifizieren, eindeutig ergaben: Es handelt sich um eine Inszenierung. Der Unfall und Dein Suizidversuch können so nicht stattgefunden haben.

Du, liebe Sophie, bist damit sozusagen „überführt“. Und weil Du es unter all den Scherz- und Inszenierungsanrufen geschafft hast, Deine Geschichte thematisch und zeitlich derart extrem durchzubringen, ziehst Du sicher nicht nur in meiner TS besonderen Groll auf Dich – während man mir vielfältiges Mitgefühl entgegen bringt.

Doch wenn ich aus diesem Film heraus gehe, zurück zu der Zeit, die wir am Telefon hatten, und zurück in mein Inneres, dann spüre ich etwas ganz anderes, etwas Wesentliches, das für die Augen unsichtbar bleibt. Es war ein Glück, dass wir uns in jener Nacht auf unsere Begegnung eingelassen haben. Auch wenn unsere Worte von Dingen handelten, die objektiv nachforschbar nicht existierten: in der Begegnung hat etwas Raum bekommen, konnte etwas entstehen, ganz real und greifbar, das nachwirkt.

 

Natürlich habe ich mich gefragt, wie Du wirklich lebst, welche Menschen wirklich um Dich sind und wie Dein Leben tatsächlich aussieht. Welche Begabung ist in Dir angelegt, dass Du es immer wieder schaffst, in langen Gesprächen eine Welt lebendig, nah und authentisch aufzubauen, die aber so nicht existiert!

Liebe Sophie, mehr als drei lange Stunden, mitten in der Nacht und bis in den Morgen hinein: Wenn  wir uns wieder am Telefon begegnen, werde ich Dir von meiner Freude erzählen, Dich wieder zu hören. Mein Wissen Deiner Inszenierung aber behielte ich vermutlich für mich.

                                                                           A.Bi.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick hinter die Kulissen

 

Die Arbeit der TelefonSeelsorge vollzieht sich im Stillen. Mitarbeiter bleiben anonym, der Ort der Stelle bleibt geheim. Zum 95. Deutschen Katholikentag präsentierte sich die TelefonSeelsorge  mit einem Stand.

Für die Konzeption des Standes war es uns wichtig, das Unaufdringliche und Diskrete der Arbeit wiederzuspiegeln. An mehreren Telefonapparaten konnten bei

Abnehmen des Hörers nachgestellte Anfangssequenzen eines Anrufs bei TelefonSeelsorge mit-gehört werden.

Auf einer halb durchsichtigen Stoffbahn waren „Kritzeleien“ angebracht, die während Gesprächen entstanden sind und die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt hatten. Ein wahrer Talentschuppen auch in dieser künstlerisch gestalterischen Hinsicht!

Ergänzt wurde dies durch eine durchlaufende Powerpointpräsentation, die wichtige Informationen über TelefonSeelsorge zusammenfasste.

Der Stand der TelefonSeelsorge stieß auf großes Interesse. Es ergaben sich viele Gelegenheiten für interessante und anregende Gespräche. Die Hörbeispiele waren ein guter Aufhänger. Viele hatten Nachfragen. Wie geht es nach einem solchen Anfang eines Gesprächs weiter? Interessante Parallelen zu anderen Seelsorgediensten wurden deutlich.

Nicht zuletzt stießen die „Gummi-Handys“ (statt Gummi-Bären) auf große Gegenliebe, vor allem bei kleineren Katholikentagsbesuchern -  manchmal mit verstohlenem Blick auf die Standbetreuer: ob die gemerkt haben, dass das schon die zweite Hand voll war?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sommerfest 2004

 

TelefonSeelsorge – das ist Dienst am Mitmenschen, aber nicht nur das. Sie kann nur leben, wenn sie sich auch als Gemeinschaft versteht, die eine wichtige Aufgabe erfüllt, die aber auch ihr Miteinander pflegt. Ein guter Anlass ist hier das Sommerfest.

Auftakt des diesjährigen Sommerfestes war ein Sektempfang im Komplex der Wiblinger Klosteranlage. Gott sei Dank gab es die Möglichkeit, diesen Empfang nach innen zu verlagern. Strömender Regen hätte einem Sektempfang draußen schnell den Garaus gemacht.

 

Unbestrittener Höhepunkt war die Führung durch die Dachkonstruktion der Klosterkirche „Dem Abt aufs Dach geschaut“. Ein bestens informierter und in der Sache engagierter Führer brachte uns die Zimmermannskunst der damaligen Zeit nahe.

 

Ein weiterer schöner Anlass, an diesem Tag zusammen zu kommen: die neue Ausbildungsgruppe wird beauftragt zum Dienst.

 

Nach mehr als einem Jahr Ausbildung mit allen Höhen und Tiefen war es soweit: ein Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Vorstand der TelefonSeelsorge, Frau Dekanin Burmann, Neu-Ulm, nahm die Beauftragung vor.

Ein herzliches Willkommen den neun neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Dienstgemeinschaft der TelefonSeelsorge!                              (S.P.)

 

 

Lehrmeister Telefon

Begegnungen

Begegnung mit anderen Menschen

Menschen, die lernen müssen, ihre durchkreuzten Lebenspläne anzunehmen,

Menschen, die sich bedrängt und bedroht fühlen,

Menschen, die schlaflos und ruhelos sind

Menschen, die trauern  und Tränen fließen lassen können

Menschen

Werkzeuge

Den anderen und sich selbst Atempausen gönnen

Freiheiten geben: sich und dem anderen:

die Freiheit zu hören und zu sehen, was ist und nicht, was sein sollte oder was sein wird,

die Freiheit zu sagen, was du fühlst und denkst und nicht das, was du denken und fühlen sollst,

die Freiheit zu fragen, was man fragen möchte ohne dafür um Erlaubnis zu fragen

Die Freiheit ein Risiko auf sich zu nehmen und nicht immer den „sicheren“ Weg zu gehen

 

Einsichten

Jemand einfach leben lassen

Aus ängstlicher Enge aufbrechen lernen

Ihn zum Lebenstanz anstiften

Leid als Universalität, nicht als Beleidigung erkennen

Abschied und Loslassen aushalten

Hoffnungsspuren erahnen

Den verbindenden Atem Gottes entdecken             (S.P.)

 

 

Der Literaturkreis der TS

Wie passt Literatur zur TS?

 

Auf den ersten Blick scheint so eine Eigeninitiative der Mitarbeiter wie der Literaturkreis der TS vielleicht etwas befremdlich.

Ab und zu lasse ich die Reihe „unserer“ Bücher an mir vorüberziehen. Dabei stellt sich ganz schnell und immer wieder die Frage nach den Autoren. So vielgestaltig sind die Bücher, die Schicksale und Lebensthemen der Autoren. Und hier scheint eine markante Trennlinie zwischen schreibenden und Nicht-Schreibenden zu verlaufen: Schriftsteller sind in der Lage, Gelebtes, Gelittenes mit hoher Sensibilität und präziser Erinnerungsfähigkeit in Sprache umzusetzen und zu gestalten, so dass der Lesende nachfühlen und aber auch den Text auf Logik und Konsistenz bei sich prüfen kann.

Die Palette des Schriftstellers ist unendlich: Empfindungen, Fantasie, Gestaltungskraft, Sehnsucht, Verfremdung, Historie, Beziehung, …

Was ist es nun, was unsere Bücherrunde leben lässt? Ich vermute, es ist die Anfrage bei sich, an die Genauigkeit und Glaubwürdigkeit des Textes zum einen, und zum anderen die Streitlust der Gruppe; und mit der Gruppe den Text in viele Richtungen abzuklopfen und zu hinterfragen.

Damit sind wir dann ja fast wieder bei „unseren“ (TS-) Themen.

                                      An.B.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorstand der Ökumenischen Telefonseelsorge Ulm/Neu-Ulm

Stand: November 2004

1. Vorsitzender:                                                                   Herr Pfarrer i.R. Reinhart Müller Ulm

2. Stellvertretender Vorsitzender:                                               Herr Pfarrer Matthias Hambücher

                                                                                              Ulm

3. Mitglied im geschäftsführenden Vorstand:                 Frau Dekanin Gabriele Burmann

                                                                                               Neu-Ulm

 

Evangelischer Kirchenbezirk Ulm                                   Herr Pfarrer i.R. Reinhart Müller Ulm

 

Evangelischer Kirchenbezirk Blaubeuren                     Herr Pfarrer Ernst Burmann

                                                                                               Blaustein-Wippingen

 

Kath. Dekanatsverband Ehingen-Ulm                             Herr Pfarrer Matthias Hambücher Ulm

                                                                                               Herr Dr. Wolfgang Steffel

Dekanatsreferent, Ulm

 

Evang.-Luth. Gesamtkirchengemeinde                           Frau Dekanin Gabriele Burmann

Neu-Ulm                                                                               Neu-Ulm

 

Landeskirche Bayern/Diak. Werk Neu-Ulm                     Frau Sigrun Rose, Neu-Ulm

 

Kath. Dekanat Neu-Ulm                                                      Herr Ulrich Hoffmann, Neu-Ulm

 

Kath. Dekanat Illertissen                                                   Herr Pfarrer J. Wißmiller, Illertissen

 

Evang. Kirchenbezirk Aalen                                              Herr Dekan Erich Haller, Aalen

 

Kath. Dekanate Aalen, Ellwangen, Neresheim               Herr Pfarrer Gerhard Bundschuh

                                                                                              Hüttlingen

 

Evang. Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd                     Herr Erich Distel,

Schwäbisch Gmünd

                                                                                 

Kath. Dekanat Schwäbisch Gmünd                                  Herr Gunther Mautz

                                                                                              Schwäbisch Gmünd

 

Evang. Kirchenbezirk Heidenheim                                  Herr Pfarrer W. Scholl Heidenheim

 

Kath. Dekanat Heidenheim                                                           Frau Marianne Henne, Giengen

 

3 VertreterInnen der MAV