Inhalt
Kaum
zu glauben – noch mehr Gespräche
Kurzer
Kommentar zur Statistik TS im Internet
Langzeitkontakte
in der E-Mail-Beratung
Langzeitkontakte
in der E-Mail-Beratung
Herausforderungen
und Chancen – Gefahren und Grenzen
Zwischen
Brieffreundschaft und Psychotherapie
Hier
in Kürze einige wichtige Aspekte, die wir in dieser Fortbildung erarbeitet
haben.
Welche
Vorteile bietet TelefonSeelsorge im Medium Internet in Langzeitkontakten?
Was
ist alles möglich in einem Langzeitkontakt ?
Wie
unterschiedlich die Anfragen sind, möchten wir mit ein paar Beispielen zeigen.
Häufig
ist auch die Sorge um Betroffene im Umfeld der Grund für einen Anruf.
Kein
Holz gesägt, keinen Schrank verrückt, trotzdem nach vier Stunden fix und
fertig. Die Ehrenamtlichen der TelefonSeelsorge
wissen, wie kräftezehrend ein Dienst sein kann.
Neurowissenschaftler
hätten bestimmt ihre wahre Freude daran, das körperlich-seelisch-geistige Synapsen-Gewitter bei Dienst-habenden und Anrufern während
eines „normalen“ TS-Gesprächs zu beobachten. So gesehen ist es dann auch wieder
nicht überraschend, dass das, was nach außen gar nicht viel Aufhebens von sich
macht, tatsächlich häufig ein anstrengender
innerer Kraftakt ist. In erster Linie ist also den ehren-amtlich Tätigen zu
danken, die diese Arbeit geleistet haben.
Damit
dieser Dienst überhaupt geleistet werden kann, müssen viele zusammenwirken. Besonders
danken wir:
-
den Mitgliedern
des Vorstands für ihr Engagement für diese Einrichtung,
-
den Gruppenleitern
und –leiterinnen der Supervisionsgruppen für ihre Anleitungen
und Anregungen,
-
dem Vorstand des
Freundeskreises und seinen Mitgliedern für ihre Unterstützung, insbesondere für
das Internet-Projekt der TelefonSeelsorge.
Wie
für viele Einrichtungen ist es auch für TelefonSeelsorge nicht einfach
selbstverständlich, dass sie fortgeführt werden kann. Das ist nur möglich mit
der finanziellen Unterstützung von vielen Seiten.
Wir
haben zu danken:
den
Städten Ulm, Neu-Ulm, Schwäbisch Gmünd, den Landkreisen Alb-Donau,
Neu-Ulm, Heidenheim und Ostalb.
Dem
Land Baden Württemberg können wir zumindest noch für das Jahr 2004 für einen
wichtigen Zuschuss danken.
Ganz
wichtig für die Fortführung der Arbeit sind weitere Finanz-mittel.
Besonderer
Dank gilt den RichterInnen des Amtsgerichtes Ulm und
der Staatsanwaltschaft in Neu-Ulm für die Zuweisung von Bußgeldern.
Wichtige
finanzielle Unterstützungen gewährten
uns die Kässbohrer-Stiftung,
die Aktion 100 000 sowie der Freundeskreis der TelefonSeelsorge.
Herzlichen
Dank.
Ulm,
Febr. 2005
Dr. Stefan Plöger Renate Breitinger
Dr. Stefan Plöger (Leitung)
Renate Breitinger (Leitung)
Gisela Mayer (Sekretariat)
Telefonseelsorge Ulm, Neu-Ulm, Heidenheim, Aalen, Schwäbisch Gmünd
Postfach 4070
89030 Ulm
Bürozeiten: Mo – Fr : 8:15 – 12:00 Uhr
Tel.: 0731/69 88 3, Fax: 0731/9 60 86 40
E-mail:
Telefonseelsorge.Ulm@evlka.de
Homepage: telefonseelsorge-ulm.de
Web-basierte Mailberatung der TelefonSeelsorge im Internet unter der Adresse: www.telefonseelsorge.de
Bankverbindung
Telefonseelsorge: Konto 140 771 Sparkasse Ulm BLZ 630 500 00
Freundeskreis: Konto 2 004 853 Sparkasse Ulm BLZ 630 500 00

Damit
hätte wohl kaum einer gerechnet: die Zahl der Gespräche ist im Jahr 2004 noch
einmal um 5,6% auf 17660 gestiegen. Auch die Zahl der Anrufe hat
leicht auf 33788 zugenommen.
Insgesamt ist das eine gute Tendenz. Mehr Anrufe führen zu Gesprächen, also zu
Anrufen mit bestimmten Themen und Anliegen.
2004 Summe Prozent 33788 Aufleger 5573 16,49% Scherzanrufe (Strichliste) 10145 30,03% Aufschub (Strichliste) 410 1,21% 17660 52,27% Erstanrufer 3265 18,49% Mehrfachanrufer 3565 20,19% Daueranrufer 3590 20,33% Notruf 160 0,91% Unbekannt 7240 41,00%
Gesamtzahl der Anrufe
Gesamtzahl der Gespräche
Damit
steigt der Anteil der Gespräche an den Anrufen auf 52,27%. Im Vorjahr lag
dieser Wert bei 49,86%. Eine erfreuliche Entwicklung.
Eine
weitere positive Entwicklung betrifft die sogenannten Scherz- und Testanrufe. Die
Einschätzung dieser Art Anrufe und der Umgang damit ist alles andere als
leicht. Auf der einen Seite handelt es sich manchmal nicht nur um einen
harmlosen Schabernack (z.B. bei Beschimpfungen oder Inszenierungen einer
lebensbedrohlichen Situation), auf der anderen Seite ist der „Scherz“ der
Schutzmantel für ein Ausprobieren, ob der Einrichtung TelefonSeelsorge zu
trauen ist, oder für eine versteckte Anfrage angesichts einer wirklichen Notlage
des Jugendlichen. Scherzanrufe haben im Jahr 2004 um 5,99% auf 10145 Anrufe
abgenommen. Allerdings ist das Thema damit nicht wirklich vom Tisch.
Bei
der „Art des Anrufers“ (Erstanrufer, Mehrfachanrufer etc.) zeigen zwei
Kategorien rasante Zuwächse:„Mehrfachanrufer“ und „unbekannt“. Damit hält eine
Tendenz aus den Vorjahren an. Anrufer können angesichts der Fülle von Anrufen
hier nicht mehr sicher zugeordnet werden. Entweder bleibt die Frage ganz offen
(“unbekannt“) oder kann nur unspezifisch beantwortet werden: der Anrufer hat
schon mal bei TelefonSeelsorge ange-rufen
(„Mehrfachanrufer“). (S.P.)
Themen der Gespräche (Angaben in Prozent)

Arm
dran. Ja, so ist es eben. Arm dran. Immer noch besser als Arm ab. So oder
ähnlich ist es eben. Es ist keine Zeitenwende des gesellschaftlichen sozialen
Umgangs, kein Aufschrei, kein Aufstand. Der Staat muss sich nicht dazu
bekennen, dass er einsparen will, wo er soziale Motive vorgibt. Keiner weiß bis
jetzt so recht, was es bedeutet, wenn mit der Jahreswende 2004/ 2005 die Reform
zu Arbeitslosengeld und Sozialhilfe Hartz IV in Kraft
tritt.
Das
gesellschaftliche Armutszeugnis bisher: innerhalb von 5 Jahren sind 1,3% mehr
Familien und 4,4% Ausländer unter die Armutsgrenze gerutscht (Zahlen gelten für
2003, vgl. Spiegel, 51, 2004). Arm ist, wer ein Einkommen weniger als 60 % des
mittleren Einkommens zur Verfügung hat.
Kinderarmut?
Sind
Kinder besonders betroffen? 3,4% der Gesamtbevölkerung leben 2003 von
Sozialhilfe. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die von
Sozialhilfe leben, beträgt 7,2% (Vgl. Spiegel, 51, 2004).
Nach
Angaben des Deutschen Kinderhilfswerks kommen durch die Hartz-IV-Reform
zu den bisherigen etwa einer Million Kinder und Jugendlichen an der
Armutsgrenze schätzungsweise weitere 1,5 Millionen Kinder hinzu, die dann in
Haushalten leben, die weniger als die Hälfte des durchschnittlichen deutschen
Haushaltseinkommens zur Verfügung haben. Die Bundesregierung dementiert heftig.
Im Gegenteil: durch Hartz IV gebe es eine Besserstellung der Familien.
Gespräche
am Telefon
Sorgen
um die finanzielle Situation sind Ende des Jahres 2003 mehr denn je Thema am
Telefon.
Eine
Frau, etwas über 50 J., arbeitslos seit längerem, mit
verschiedenen Erkrankungen und starken Schmerzzuständen ruft an. Sie ist so
erschüttert, weil sie ihre Ersparnisse fürs Alter (sie hat Geld aus einem
Hausverkauf in Aktien angelegt) in den kommenden Jahren wird „vervespern“
müssen. Solange sie dieses Geld hat, hat sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld
II.
Eine
andere Frau ruft an. Im Gespräch kommt die Sprache darauf, dass sie sich Sorgen
um ihre Bekannte macht, die für den Rest des Monats (10 Tage) nur noch 15.- €
zur Verfügung hat. Sie selbst kauft als Sozialhilfe-Empfängerin im Tafelladen
ein. Die Bekannte wäre auch berechtigt. Allerdings müsste die Anruferin der
Freundin gegenüber zugeben, dass sie selbst im Tafelladen einkauft. Die
Freundin schminkt sich stark, ist nach außen überhaupt nicht als „arm“
erkennbar. Die Anruferin weiß nicht, wie die Freundin reagiert, wenn sie ihr so
etwas überhaupt vorschlägt.
Armut
verkriecht sich. Armut ist ein Tabu-Thema. Niemand bekennt sich offen dazu,
unfreiwillig arm zu sein. Die Bekann-ten, Vermieter
und Nachbarn, selbst die Freunde sollen davon solange wie möglich nichts
mitbekommen.
Armut
führt in die Isolation. Man beginnt ein in Geheimnissen verstricktes Leben
aufzubauen (vgl. Orwell, 1933, S.23). Es geschieht sehr viel, worüber man mit
niemandem spricht, bevor es offensichtlich wird.
Auch
verändert sich mit weniger Geld die Art der Sorgen. Je schlimmer die Situation,
desto mehr denkt man nur noch daran, wie es am nächsten Tag weitergehen wird
(a.a.O. S.28).
Würde
und unfreiwillige Armut widersprechen sich. Der Versuch, die Würde vor sich
selbst zu behalten, ist immer schwie-riger
einzulösen. Als Bedürftiger ist man zwar auf die Menschen, die einem Gutes tun, angewiesen, man kann ihnen aber nicht
dankbar sein. Sie vergegenwärtigen nur die Situation der Armut.
Was kann TelefonSeelsorge?
Nicht
weiter wissen, durchhalten, von der Substanz zehren, am Rand sein: das sind
Lebenssituationen, die uns auf die eine oder andere Weise am Telefon begegnen.
Es
ist einerseits vermessen zu sagen:
TelefonSeelsorge kann helfen. Sie kann es nicht oder selten, wenn es um die
beruflichen und wirtschaftlichen Probleme des Anrufers geht. Und sie kann doch
helfen. Sie kann ein kleiner Beitrag dazu sein, dass Menschen, denen in Würde
begegnet wird, diese Würde bei sich wiederentdecken.
Dem
Arbeitslosen, der sich nur noch als überflüssige, hin- und hergeschobene „Massenware“
erlebt, kann TelefonSeelsorge keinen Arbeitsplatz beschaffen. Aber ohne das ihm
entgegen gebrachte Vertrauen in ihn und das wiederentdeckte Gefühl der eigenen
Würde kann er nicht die Kraft aufbringen, sich einen Platz für sich zu
erkämpfen.
Insofern
ist der Beitrag, den TelefonSeelsorge leisten kann, nicht zu gering
einzuschätzen.
(S.P.)


TelefonSeelsorge Ulm/Neu-Ulm im Internet
2004 Summe Kontakte Kontakte gesamt 491 Erstkontakte 151 Folgekontakte 338 Gelesene Antworten 449 Geschlecht der
Ratsuchenden unbekannt 20 männlich 41 weiblich 90 Alter der Ratsuchenden Unbekannt 52 Bis 10 Jahre --- Bis 20 Jahre 26 Bis 30 Jahre 47 Bis 40 Jahre 16 Bis 50 Jahre 8 Bis 60 Jahre 1 Bis 70 Jahre 1 Bis 80 Jahre --- Lebensform der
Ratsuchenden unbekannt 60 allein lebend 21 in Partnerschaft/Ehe 33 in einer Familie 29 allein erziehend 2 in einer Gemeinschaft 6
Summe Erwerbstätigkeit der
Ratsuchenden unbekannt 72 erwerbstätig 21 Hausfrau/Hausmann 4 arbeitslos 14 Rentner 1 selbständig 1 in Ausbildung 38 Themen der
Ratsuchenden 1.
Priorität Sinn, Glaube, Orientierung 6 Einsamkeit/Vereinsamung 6 Krankheit (physisch) 5 Depression, sonst. psychische Krankheit 32 Selbstverletzendes Verhalten 8 Essstörung 5 Sucht 4 Suizid 14 Sterben, Tod, Trauer 4 Gewalt, Kriminalität, Missbrauch 4 Umgang mit Sexualität 4 Schwangerschaft 4 Beziehung/Ehe/Partnerschaft 23 Familie, Verwandtschaft 10 Freunde, Nachbarn, Kollegen 11 Arbeit, Schule, Ausbildung 6 Wohnen, Freizieit ---- Geld, wirtschaftl. Fragen,
Schulden 3 Weltanschauung, Gesellschaft, Politik, Kirche ---- Information allgemein 1 Sonstiges 1 Anliegen, Erwartungen
der Ratsuchenden Unbekannt 6 Annahme und Bestätigung 13 Zusätzliche Unterstützung anderer Beratungsformen 7 Hilfe 45 Information 11 Rückmeldung, Einschätzung, Meinung 52 Problem von der Seele schreiben 17
Die
8 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge
Ulm/Neu-Ulm haben im Jahr 2004 mehr Mail-Anfragen als im Jahr zuvor bearbeitet.
Dies
hängt damit zusammen, dass die Anfragen an Telefon-Seelsorge im Internet
bundesweit im zweiten Halbjahr insgesamt deutlich angestiegen sind. Zum Teil
haben sie sich in manchen Monaten im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.
Viele
der Kontakte können mit ein bis zwei Antworten abgeschlossen werden. Vielfach
gehen aber auch zwischen drei und sechs Antworten an die Ratsuchenden. In
Einzelfällen kann aber ein Kontakt auch
über einen längeren Zeitraum bestehen, in dem zwischen 10 und 30 Antworten
geschrieben werden.
Der
Proporz der Geschlechter ist ähnlich dem der Anrufenden am Telefon. Fast 60 %
der Rat-suchenden sind Frauen, 26 % sind Männer, der Rest ist unbekannt. Dies
zeigt, dass das Medium Internet für Frauen so selbstverständlich wie für Männer
geworden ist.
Nach
wie vor kommen auffallend viele Anfragen von Menschen, die noch in Ausbildung
sind.
In
diesen Anfragen kommen deutlich Ängste zum Ausdruck, die mit der
Zukunftsperspektive zusammenhängen. Zum einen die Angst, das Studium und
anstehende Prüfungen nicht zu bewältigen, zum anderen auch Zweifel, ob die Wahl
für dieses Studium überhaupt richtig war. Häufig sind diese jungen Menschen in
unterschiedlichen Formen psychisch sehr belastet.
Was
die Themen der Rat-suchenden betrifft, so tauchen Depression und sonstige psychischen
Krankheiten am häufig-sten auf (20%). Eine Tatsache,
die wir auch aus der Arbeit am Telefon kennen. Hier kommt etwas zum Ausdruck,
was in unserer Gesellschaft noch wenig wahrgenommen wird. Es gibt viele
Menschen, die psychisch sehr belastet bzw. krank sind, in ihrem Umfeld aber
wenig Verständnis dafür finden, wenig Ansprechpartner haben und sich zusehends
isolieren und keinen Weg mehr finden, aus dieser Situation wieder heraus zukommen.
Übers
Internet jemanden zu haben, der zuhört und Anteil nimmt, ist für viele
Ratsuchende offensichtlich sehr wertvoll. (R. B.)
Die
TS Ulm/Neu-Ulm arbeitet seit gut zweieinhalb Jahre bei TelefonSeelsorge im
Internet mit.
In
dieser Zeitspanne entwickelten sich auch einige Langzeitkontakte und mehr und
mehr stellte sich die Frage, wie wir damit umgehen.
Langzeitkontakte
in der Beratung bei TelefonSeelsorge im Internet sind nicht mit Daueranrufenden
am Telefon vergleichbar. Allein die Rahmenbedingungen schaffen die
Voraussetzung für einen qualitativen Unterschied.
Im
Gegensatz zur Arbeit am Telefon bleibt der/die Rat-suchende mit einem/einer
Berater/in im Kontakt und ist daher eine größere Herausforderung.
Ein
Fortbildungsangebot im Jahr 2004 für die Mitarbeitenden befasste sich aus
diesem Grund mit dem Thema:
Langzeitkontakte in der E-Mail-Beratung
Herausforderungen und
Chancen – Gefahren und Grenzen
Zwischen Brieffreundschaft und Psychotherapie
Referent war Dr. Gerhard
Mahler, Dipl. Psychologe in freier Praxis und Mitarbeiter im Beratungszentrum
für Jugendliche in Ulm.
Hier in Kürze einige
wichtige Aspekte, die wir in dieser Fortbildung erarbeitet haben.
Welche Vorteile bietet TelefonSeelsorge im Medium
Internet in Langzeitkontakten?
Der Kontakt bleibt
bei einem/einer Berater/in. Der/die Ratsuchende muss sich darauf einlassen.
Dies ist unter Umständen mit einer größeren Anstrengung verbunden, aber in der
Wirkung effektiver.
Nach einigen
Mailwechseln ist ein Kontrakt denkbar und sinnvoll. Die Beratung kann
zielgerichtet verlaufen.
Eine flexible
Gestaltung der Frequenz der Beratungsaktivität ist möglich. Langzeitkontakte
sind geprägt durch unterschiedliche Phasen. Es gibt krisenhafte Phasen und
Phasen der relativen Ruhe. Ratsuchende/r und Berater/in können sich über die
Notwendigkeit der Beratungsintensität verständigen. Daraus entsteht auch die Dynamik
des Beratungsprozesses. Die Chancen der Mailarbeit liegen darin, sowohl ruhig
und strukturiert oder manchmal auch ganz
spontan und „unsortiert“ antworten zu können.
Der
Beratungskontakt kann dem/der Ratsuchenden helfen, die Zeit bis zu einer
Therapie zu überbrücken.
Was ist alles
möglich in einem Langzeitkontakt ?
Schritt für
Schritt kann das Lebensumfeld des/der Ratsuchenden entdeckt werden um zu sehen,
wie das soziale Netz ist und wie es genutzt werden kann.
Eine Prognose
kann dem/der Berater/in helfen zu überlegen, wie seine Ressourcen und
Erfahrungen sinnvoll genutzt werden können, zu überlegen, wohin können wir uns
gemeinsam bewegen, idealerweise in Richtung
Zielvereinbarungen.
Beispiel eines
Verlaufs eines Langzeitkontaktes
Ein
Mann, nennen wir ihn C., Anfang 30, alleinlebend,
wendet sich mit folgenden wenigen Worten an TelefonSeelsorge im Internet:
„Ich
will einfach nicht mehr leben........“
Dies
war vor 9 Monaten. Der Mann ist immer noch in Kontakt mit seiner Beraterin.
Seine
für ihn scheinbar ausweglose Lebenssituation hat sich nicht wesentlich
verändert, auch sein Lebensgefühl nicht.
Die
erste Phase des Kontaktes dauerte gut drei Monate mit regelmäßigem Mailwechsel.
In
dieser Phase kamen Mails, in der sich C. gut öffnen konnte, aber auch immer
wieder Mails mit Suizidankündigung und Verabschiedung.
TS
war in dieser Phase sicherlich eine wichtige Stütze, wenn auch in
unterschiedlichen Rollen. Die Mitarbeiterin
der TS war entfernte Zuhörerin (C. konnte sich seine Gedanken und
Probleme von der Seele schreiben), Testperson (wurde mehrfach mit
Suizidankündigungen konfrontiert), Vertraute (ihr wurden im Schutz der
Anonymität vieles anvertraut), Aufladegerät (der Austausch mit TS wirkte, zumindest
kurzfristig, stärkend), Beziehungsersatz (die Mitarbeiterin der TS war streckenweise
die einzige Person, mit der C. „reden“ konnte).
Nach
dieser Phase gab es ohne Absprache und ersichtlichen Grund eine Pause von fast
drei Monaten. Danach meldete sich C. wieder. Seine persönlichen Umstände und
sein Erleben haben sich nicht verändert, er ist aber auch nicht erkennbar in
einer krisenhaften Situation.
Er
möchte die Mitarbeiterin als Ansprechpartnerin halten.
Grenzen und Chancen von TelefonSeelsorge
im Internet in diesem Langzeitkontakt.
Eine
entscheidende Voraussetzung für C., den Kontakt mit
der TelefonSeelsorge aufzunehmen war sicherlich die niederschwellige
Eingangstür.
Nur
unter dem Vorzeichen von Anonymität und der Sicherheit, sich in diesem Moment
nicht mit jemand auseinandersetzen zu müssen, ist es möglich, sich
ausschließlich mit dem Satz „ ich will einfach nicht mehr leben.....“nach einem
Hilfsangebot zu suchen.
C.
hat in diesem Setting die Chance, sich nach seinen
Möglichkeiten zu öffnen.
Der
Kontakt mit der Mitarbeiterin der TelefonSeelsorge bedeutet für ihn ein Stück
Verbindung nach außen, wenn auch nur virtuell, die er nach seinen
Schilderungen, sonst kaum mehr hat.
Tatsächlich
hat sich zwar in dem Zeitraum von 9 Monaten nichts für ihn verbessert, aber er
hat seine mehrfachen Suizidankündigungen auch nicht wahr gemacht.
Die
Grenzen in diesem Kontakt sind, dass TelefonSeelsorge nicht mehr als begleiten
kann, da C. nach wie vor nicht in der Lage ist, kleine Schritte in Richtung
einer Veränderung zu tun.
Es
kann durchaus sein, dass C. eine sehr lange Zeit braucht, um wahrzunehmen, dass
die Mit-arbeiterin bei TS nicht nur die Möglichkeit
einer Begleitung bietet, sondern auch hilfreich sein kann, nach neuen Lebensmus-tern zu suchen.
(R.B.)
ein telefonischer Bereit-schaftsdienst
für die Frauenhäuser in Ulm, Neu-Ulm und Alb-Donau-Kreis
Die
TelefonSeelsorge Ulm/Neu-Ulm hat seit Jahren Kooperationsvereinbarungen mit den
Trägern der Frauenhäuser der Region, Frauen helfen Frauen e.V. Ulm für das
Frauenhaus Ulm, der Neu-Ulmer AWO für das Frauenhaus in Neu-Ulm und der Caritas
Geschäftsstelle Ulm für das Frauenhaus des Alb-Donau-Kreises.
Die
TelefonSeelsorge übernimmt außerhalb der Bürozeiten der entsprechenden
Beratungsstellen den telefonischen Bereitschaftsdienst. Im Gespräch mit den anrufenden
Frauen kann geklärt werden, wie die weitere Vorgehensweise bei der Aufnahme in
das Frauenhaus aussehen würde und welche Schritte im Moment machbar sind.
Die
Mitarbeitenden der Telefon-Seelsorge werden regelmäßig über Veränderungen
informiert.
Wir
danken an dieser Stelle den Fachfrauen der drei Beratungsstellen für die gute
und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Im
Jahr 2004 gingen auf der Notrufleitung (0731-69884) 183 Anrufe bei der
TelefonSeelsorge ein.
Wie unterschiedlich die
Anfragen sind, möchten wir mit ein paar Beispielen zeigen.
......Frau
wurde vom Ehemann geschlagen. Sie ist mit ihren Kindern bei einer Freundin
unter-gekommen. Sie ruft wegen der Unterbringung in einer Pension an, falls sie bei der Freundin nicht bleiben kann.
......Frau
ruft für die Freundin ihrer Tochter an. Diese wird von ihrem Partner mit einem
Messer bedroht. Frage der Unterkunft wird geklärt.
......die
Anruferin hat eine schwangere Bekannte im Auto und möchte sie ins Frauenhaus
bringen, da der Freund sie bedroht.
Bei
diesen Anrufen geht es in erster Linie darum, mit den Anruferinnen die nächsten
wichtigen Schritte zu klären und sie mit den entsprechenden Informationen zu
versorgen.
Häufig ist auch die Sorge
um Betroffene im Umfeld der Grund für einen Anruf.
......die
Anruferin bemerkte in ihrem beruflichen Umfeld, dass eine Frau wiederholt,
sichtbar gezeichnet, von ihrem Ehemann geschlagen wurde. Sie möchte Infos über
das Frauenhaus um der Frau zu helfen.
Auch
die Polizei oder andere Einrichtungen wenden sich über die Notrufleitung immer
wieder an die TelefonSeelsorge mit unterschiedlichen Anfragen.
......Polizei
sucht eine Verbindung zum Frauenhaus. Sie muss eine Frau mit drei Kindern
unterbringen.
......Polizei
hat zwei Frauen mit Kindern, die verprügelt wurden.
......Polizei
möchte ein junges Mädchen für eine Nacht unterbringen. Sexuelle Gewalt durch
den Vater.
......ein
Pfarrer hat einen Notfall in seiner Gemeinde.
......Anruf
aus einem Krankenhaus. Sie suchen eine Unterbringung für eine Frau, die
geschlagen wurde und inzwischen ambulant versorgt ist.
Es
kommt aber auch vor, dass Menschen mit Anliegen anrufen, die eigentlich nicht
in das Profil des Angebotes passen, die sich aber eine Hilfestellung erhoffen.
......Junge
Frau wird von zuhause rausgeworfen weil sie einen türkischen Freund hat. Sie
möchte ins Frauenhaus, bis sie eine Arbeit hat.
......Anruferin
sucht für ihre schwangere Tochter wegen einer Räumungsklage eine Unterkunft für
einige Tage
......Mann
sucht seine Frau und die Kinder, die er im Frauenhaus vermutet.
......verlassener
Ehemann schimpft auf seine und alle Frauen.
So
unterschiedlich die Beispiele auch sind, so geht es zunächst einmal darum, die
Anrufenden umfassend zu informieren, welche Möglichkeiten sich für den
Augenblick bieten, bis sie die zuständige Beratungsstelle aufsuchen können.
Oft
ist es so, dass sich im Gespräch einiges sortieren lässt und die Anrufenden
selbst eine Möglichkeit sehen, vorübergehend zurecht
zu kommen.
Beides
zusammen – Information und Gespräch -
sind uns wichtig im Angebot des telefonischen Bereitschaftsdienstes für
die Frauenhäuser und ihre Beratungsstellen.
(R.B.)
Nachtdienst
in der TelefonSeelsorge: ein besonderer Dienst. Die
neuen Ehrenamtlichen, die erst kürzlich für den Dienst beauftragt wurden,
lassen sich lieber noch ein bisschen Zeit, bis sie sich daran wagen.
Und
wie sieht das dann am Telefon aus? „Ich kann nicht schlafen“, „Wir kommen
gerade von einer Party zurück“, „Ich wollte nur mal hören, ob sie wirklich da
sind“, „Ich weiß nicht, was ich tun soll“, ...
Ein
merkwürdiges Gemisch. Einige Anrufe lassen ratlos zurück. Was wollte der
Anrufer wirklich?
Gibt
es so etwas wie ein Nachtgesicht, eine Nachtseite, die hier spürbar wird?
Vielleicht
gelingt es erst in der Nacht, wenn die hektische Betriebsamkeit des Tages nach-gelassen
hat, den Mensch für sich unter der sichtbaren Unendlichkeit des Himmels zu
sehen.
Es
sind die Nachtstunden, wenn Dom Helder Camara
Eindrücke aus seinen „Mitternächtlichen Meditationen“ niederschreibt.
Es
ist schon Nacht als Faust nach dem Osterspaziergang in sein Studierzimmer
zurückkehrt. Es ist noch nicht lange her, dass ihn Verzweiflung übermannt hat
und er kurz vor einem Suizidversuch stand.
Verlassen habe ich Feld und Auen,
Die eine tiefe Nacht bedeckt,
Mit ahnungsvollem, heil`gem
Grauen
In uns die beßre Seele
weckt.
Entschlafen sind nun wilde Triebe
Mit jedem ungestümen Tun;
Es reget sich die
Menschenliebe,
Die Liebe Gottes regt sich nun.
(J. W. v. Goethe: Faust I)
Es
reget sich die Menschenliebe, die Liebe Gottes regt
sich nun. Das ahnungsvolle Erkennen des Schicksalhaften des Menschen muss nicht
diese milde Stimmung haben. Es kann auch ganz schön belastend sein. Die Marschallin in Hugo von Hofmannsthals Rosenkavalier-Dichtung
geistert des Nachts in ihrem Zimmer umher, fürchtet sich vor dem Älterwerden und
weiß sich nicht besser zu helfen, als die Uhren abzustellen, die ihr das
Verrinnen der Zeit anzeigen.
Der
russische Gesandte am Chursächsischen Hof von Keyserlingk
regt zu einem der genialen Werke der Bachschen Klavierliteratur an: weil der
Graf nachts schlaflos umherwandelt, bestellt er bei Bach „einige Clavierstücke für seinen Goldberg (seinen Hofpianisten)...
die so sanften und etwas munteren Charakters wären, daß
er dadurch in seinen schlaflosen Nächten ein wenig aufgeheitert werden könnte“.
Bach komponiert die Goldberg-Variationen.
Ist
doch etwas Besonderes an den nächtlichen Stunden? Sind sie näher dran an
Gefühlen, an Sorgen, Ängsten, aber auch an Erkennen, Durchdringen?
Und
was kann TelefonSeelsorge dann?
Ariel
weist seine Geister an, den ermüdeten, unruhigen, schlaf-suchenden Faust zu umschweben:
Die ihr dies Haupt umschwebt im luft´gen
Kreise,
Erzeigt euch hier nach edler Elfen Weise,
Besänftigt des Herzens grimmen
Strauß,
Entfernt des Vorwurfs glühend bittre Pfeile,
Sein Inneres reinigt von erlebtem Graus.
(J.
W. v. Goethe. Faust II)
Die
Nacht braucht anscheinend besonders den Trost der an-deren,
die Vergebung gegenüber sich selbst. Was tags unterdrückt werden kann, bahnt
sich nachts seinen Weg. Das Unerlöste, das Halbgelungene, das Verlorene, das
verloren Geglaubte, es braucht seinen Platz und der ist vielfach nachts.
(S.P.)
Liebe Sophie,
mehr als drei lange Stunden, mitten in der
Nacht und bis in den Morgen hinein, haben wir gemeinsam verbracht. Vieles von
Dir hast Du mir anvertraut: Dein Vater ist als Arzt oft im Ausland unterwegs.
Ihn wolltet ihr vom Flughafen abholen. Auf dem Weg dorthin muss Deine Mutter
einem betrunkenen Autofahrer ausweichen, ihr verunglückt. Du liegst lange im
Koma. Danach beginnt für Dich ein Leben im Rollstuhl, einer Deiner Arme bleibt
gelähmt. Und man sagt Dir, dass Dein Bruder und Deine Mutter den Unfall nicht
überlebt haben.
Du erinnerst Dich zurück: wie wart ihr
fröhlich, habt gelacht, ausgelassen, noch auf der Fahrt im Auto. Deine Stimme
wird lebendig und ich höre fast euer Lachen: die Freude, die ihr aneinander
habt und die Freude, den Vater wieder zu sehen. Dein Bruder und Du, Zwillinge
wie aus dem Bilderbuch. Du erzählst mir, wie unzertrennlich ihr wart. Wie gerne
ihr gemeinsam im Garten gespielt habt, wie Du ihm gefolgt bist, wenn er am Bach
entlang zum Wald gesprungen ist. Ich meine fast, euch hinterher schauen zu
können.
Und heute besitzt Du ein Brett mit
hervorstehenden Nägeln, damit Du Dir mit einer Hand ein Butterbrot streichen
kannst.
Du bist alleine zuhause. Mit Deiner klaren,
sympathischen Stimme erzählst Du mir von Deinem Vater, der gerade Nachtdienst
in einem Krankenhaus hat. Die Sehnsucht besonders nach Deinem Zwillingsbruder
erlebst Du schmerzhaft in Dir. Ich spüre, wie sehr Du ihn vermisst, wie viel Du
an ihn und immer nur an ihn denkst, wie stark es Dich zu ihm hinzieht – Du
willst nichts anderes als bei ihm sein, und sei dies dort, wo er jetzt ist. Du
liegst hunderte Kilometer von mir entfernt auf Deinem Bett, weinst mal leise,
mal bitterlich, und ich sitze am anderen Ende der Leitung, spüre wie ich ein
wenig zittere, wo ich Dir viel lieber einen warmen Händedruck anbieten will.
Doch
es ist so: Dir ist es heute Abend gelungen, aus dem Arztkoffer Deines Vater
Tabletten zu entnehmen und zu schlucken. Ich spüre wie es Dich erleichtert, das
getan zu haben. Du hast Hoffnung, bald Deinen Bruder wieder zu sehen. Jetzt, in
den letzten Stunden, willst Du nicht alleine sein.
Plötzlich
ein schriller Ton: euer Telefon klingelt. Das vereinbarte Telefonat zwischen
den OP-Terminen Deines Vaters. Ich bekomme mit, wie Du mit ihm sprichst, wie es
Dir nicht gelingt, Dich zu verstellen. Er merkt, was los ist. Er will sofort
aufbrechen, um zu Dir zu kommen. Eine knappe Stunde wird das dauern. In dieser
Zeit wird Deine Stimme immer schwächer. Es gibt Minuten, in denen Du weit weg
wirkst, und ich befürchte manchmal, dass Dich meine Worte nicht mehr erreichen.
Dein Vater ruft immer mal wieder an. Als er schließlich im Stau steht, lässt er
sich von Dir nicht mehr umstimmen und schickt einen Krankenwagen. Du erzählst
mir noch, in einem kurzen wachen Moment, dass Du das Blaulicht jetzt sehen
kannst, dass sie aber nicht rein kommen können. Nach einiger Zeit der Stille,
in der ich Dich nicht mehr ansprechen kann, bricht die Verbindung zusammen.
Langsam lege ich den Hörer auf die Gabel, zitternd aber innerlich ganz ruhig
mit Gefühl, Dir sehr nahe gewesen zu sein.
Einige Tage später habe ich erfahren, dass in
den TS-Stellen Deiner Heimatregion immer wieder lange Nachttelefonate
vorkommen, in denen Du jedesmal ganz ähnliches
erzählst – mit so vielen Details, dass die Versuche, Deine Geschichte zu
verifizieren, eindeutig ergaben: Es handelt sich um eine Inszenierung. Der
Unfall und Dein Suizidversuch können so nicht stattgefunden haben.
Du, liebe Sophie, bist damit sozusagen
„überführt“. Und weil Du es unter all den Scherz- und Inszenierungsanrufen
geschafft hast, Deine Geschichte thematisch und zeitlich derart extrem
durchzubringen, ziehst Du sicher nicht nur in meiner TS besonderen Groll auf
Dich – während man mir vielfältiges Mitgefühl entgegen bringt.
Doch wenn ich aus diesem Film heraus gehe,
zurück zu der Zeit, die wir am Telefon hatten, und zurück in mein Inneres, dann
spüre ich etwas ganz anderes, etwas Wesentliches, das für die Augen unsichtbar
bleibt. Es war ein Glück, dass wir uns in jener Nacht auf unsere Begegnung
eingelassen haben. Auch wenn unsere Worte von Dingen handelten, die objektiv nachforschbar nicht existierten: in der Begegnung hat etwas
Raum bekommen, konnte etwas entstehen, ganz real und greifbar, das nachwirkt.
Natürlich habe ich mich gefragt, wie Du
wirklich lebst, welche Menschen wirklich um Dich sind und wie Dein Leben
tatsächlich aussieht. Welche Begabung ist in Dir angelegt, dass Du es immer
wieder schaffst, in langen Gesprächen eine Welt lebendig, nah und authentisch
aufzubauen, die aber so nicht existiert!
Liebe Sophie, mehr als drei lange Stunden,
mitten in der Nacht und bis in den Morgen hinein: Wenn wir uns wieder am Telefon begegnen, werde ich
Dir von meiner Freude erzählen, Dich wieder zu hören. Mein Wissen Deiner
Inszenierung aber behielte ich vermutlich für mich.
A.Bi.
Die
Arbeit der TelefonSeelsorge vollzieht sich im Stillen. Mitarbeiter bleiben
anonym, der Ort der Stelle bleibt geheim. Zum 95. Deutschen Katholikentag
präsentierte sich die TelefonSeelsorge
mit einem Stand.
Für
die Konzeption des Standes war es uns wichtig, das Unaufdringliche und Diskrete
der Arbeit wiederzuspiegeln. An mehreren Telefonapparaten konnten bei
Abnehmen
des Hörers nachgestellte Anfangssequenzen eines Anrufs bei TelefonSeelsorge mit-gehört
werden.
Auf
einer halb durchsichtigen Stoffbahn waren „Kritzeleien“ angebracht, die während
Gesprächen entstanden sind und die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt hatten.
Ein wahrer Talentschuppen auch in dieser künstlerisch gestalterischen Hinsicht!
Ergänzt
wurde dies durch eine durchlaufende Powerpointpräsentation, die wichtige
Informationen über TelefonSeelsorge zusammenfasste.
Der
Stand der TelefonSeelsorge stieß auf großes Interesse. Es ergaben sich viele
Gelegenheiten für interessante und anregende Gespräche. Die Hörbeispiele waren
ein guter Aufhänger. Viele hatten Nachfragen. Wie geht es nach einem solchen
Anfang eines Gesprächs weiter? Interessante Parallelen zu anderen
Seelsorgediensten wurden deutlich.
Nicht
zuletzt stießen die „Gummi-Handys“ (statt Gummi-Bären) auf große Gegenliebe,
vor allem bei kleineren Katholikentagsbesuchern - manchmal mit verstohlenem
Blick auf die Standbetreuer: ob die gemerkt haben, dass das schon die zweite
Hand voll war?
TelefonSeelsorge
– das ist Dienst am Mitmenschen, aber nicht nur das. Sie kann nur leben, wenn
sie sich auch als Gemeinschaft versteht, die eine wichtige Aufgabe erfüllt, die
aber auch ihr Miteinander pflegt. Ein guter Anlass ist hier das Sommerfest.
Auftakt
des diesjährigen Sommerfestes war ein Sektempfang im Komplex der Wiblinger Klosteranlage. Gott sei Dank gab es die
Möglichkeit, diesen Empfang nach innen zu verlagern. Strömender Regen hätte
einem Sektempfang draußen schnell den Garaus gemacht.
Unbestrittener
Höhepunkt war die Führung durch die Dachkonstruktion der Klosterkirche „Dem Abt
aufs Dach geschaut“. Ein bestens informierter und in der Sache engagierter
Führer brachte uns die Zimmermannskunst der damaligen Zeit nahe.
Ein
weiterer schöner Anlass, an diesem Tag zusammen zu kommen: die neue Ausbildungsgruppe
wird beauftragt zum Dienst.
Nach
mehr als einem Jahr Ausbildung mit allen Höhen und Tiefen war es soweit: ein
Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Vorstand der TelefonSeelsorge,
Frau Dekanin Burmann, Neu-Ulm, nahm die Beauftragung
vor.
Ein
herzliches Willkommen den neun neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der
Dienstgemeinschaft der TelefonSeelsorge! (S.P.)
Begegnungen
Begegnung
mit anderen Menschen
Menschen,
die lernen müssen, ihre durchkreuzten Lebenspläne anzunehmen,
Menschen,
die sich bedrängt und bedroht fühlen,
Menschen,
die schlaflos und ruhelos sind
Menschen,
die trauern und Tränen fließen lassen
können
Menschen
Werkzeuge
Den
anderen und sich selbst Atempausen gönnen
Freiheiten
geben: sich und dem anderen:
die
Freiheit zu hören und zu sehen, was ist und nicht, was sein sollte oder was
sein wird,
die
Freiheit zu sagen, was du fühlst und denkst und nicht das, was du denken und
fühlen sollst,
die
Freiheit zu fragen, was man fragen möchte ohne dafür um Erlaubnis zu fragen
Die
Freiheit ein Risiko auf sich zu nehmen und nicht immer den „sicheren“ Weg zu
gehen
Einsichten
Jemand
einfach leben lassen
Aus
ängstlicher Enge aufbrechen lernen
Ihn
zum Lebenstanz anstiften
Leid
als Universalität, nicht als Beleidigung erkennen
Abschied
und Loslassen aushalten
Hoffnungsspuren
erahnen
Den
verbindenden Atem Gottes entdecken (S.P.)
Wie
passt Literatur zur TS?
Auf
den ersten Blick scheint so eine Eigeninitiative der Mitarbeiter wie der
Literaturkreis der TS vielleicht etwas befremdlich.
Ab
und zu lasse ich die Reihe „unserer“ Bücher an mir vorüberziehen. Dabei stellt
sich ganz schnell und immer wieder die Frage nach den Autoren. So vielgestaltig
sind die Bücher, die Schicksale und Lebensthemen der Autoren. Und hier scheint
eine markante Trennlinie zwischen schreibenden und Nicht-Schreibenden zu
verlaufen: Schriftsteller sind in der Lage, Gelebtes, Gelittenes mit hoher
Sensibilität und präziser Erinnerungsfähigkeit in Sprache umzusetzen und zu
gestalten, so dass der Lesende nachfühlen und aber auch den Text auf Logik und
Konsistenz bei sich prüfen kann.
Die
Palette des Schriftstellers ist unendlich: Empfindungen, Fantasie,
Gestaltungskraft, Sehnsucht, Verfremdung, Historie, Beziehung, …
Was
ist es nun, was unsere Bücherrunde leben lässt? Ich vermute, es ist die Anfrage
bei sich, an die Genauigkeit und Glaubwürdigkeit des Textes zum einen, und zum
anderen die Streitlust der Gruppe; und mit der Gruppe den Text in viele
Richtungen abzuklopfen und zu hinterfragen.
Damit
sind wir dann ja fast wieder bei „unseren“ (TS-) Themen.
An.B.
Stand: November 2004 1. Vorsitzender: Herr Pfarrer i.R. Reinhart Müller Ulm 2. Stellvertretender Vorsitzender: Herr Pfarrer Matthias Hambücher Ulm 3. Mitglied im geschäftsführenden
Vorstand: Frau Dekanin Gabriele Burmann Neu-Ulm Evangelischer Kirchenbezirk Ulm Herr Pfarrer i.R. Reinhart Müller Ulm Evangelischer Kirchenbezirk Blaubeuren Herr Pfarrer Ernst Burmann Blaustein-Wippingen Kath. Dekanatsverband Ehingen-Ulm Herr Pfarrer Matthias Hambücher Ulm Herr Dr. Wolfgang Steffel Dekanatsreferent, Ulm Neu-Ulm Neu-Ulm Landeskirche Bayern/Diak.
Werk Neu-Ulm Frau Sigrun Rose, Neu-Ulm Kath. Dekanat Neu-Ulm Herr Ulrich Hoffmann, Neu-Ulm Kath. Dekanat Illertissen Herr Pfarrer J. Wißmiller,
Illertissen Evang. Kirchenbezirk Aalen Herr Dekan Erich Haller, Aalen Hüttlingen Evang. Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd Herr Erich Distel, Schwäbisch Gmünd Kath.
Dekanat Schwäbisch Gmünd Herr Gunther
Mautz Schwäbisch
Gmünd Evang. Kirchenbezirk Heidenheim Herr Pfarrer W.
Scholl Heidenheim Kath. Dekanat Heidenheim Frau Marianne
Henne, Giengen 3 VertreterInnen
der MAV
Vorstand der Ökumenischen Telefonseelsorge Ulm/Neu-Ulm
Evang.-Luth. Gesamtkirchengemeinde Frau Dekanin Gabriele Burmann
Kath. Dekanate Aalen, Ellwangen,
Neresheim Herr Pfarrer Gerhard Bundschuh